Fahrzeugtyp ET54/EB54 31.12.2011
Class ET54/EB54 | Typ wagonu ET54/EB54

LOWA-Wagen 1957 am Westkreuz
LOWA-Wagen 1957 am Westkreuz

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die ostdeutsche Straßenbahnindustrie am Boden. Anfänglich ging es daher nur um das Aufarbeiten beschädigter Wagen und den Bau von Straßenbahnwagen aus alten Fahrzeugbestandteilen. Im Jahr 1951 wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse eine erste Neuentwicklung für den ostdeutschen Straßenbahnmarkt vorgestellt. Dieses Fahrzeug musste zahlreichen Bedürfnissen entsprechen, sollte es doch den Eigenarten nahezu aller ostdeutschen Straßenbahnbetriebe Rechnung tragen. In einigen Städten, so auch in Frankfurt (Oder), waren noch Stangen- statt Scherenstromabnehmer üblich. Verschiedene Spurweiten sollten ebenso wie Ein- und Zweirichtungswagen geliefert werden. Bis 1956 wurden diese LOWA-Wagen in zahlreiche Betriebe der DDR und der Sowjetunion geliefert.

Bereits seit 1948 bemühte man sich bei der Frankfurter Straßenbahn um neue Fahrzeuge. Immerhin waren mindestens neun Trieb- und 24 Beiwagen im Krieg zerstört worden. Zwar fuhren die Bahnen nach nur wenigen Jahren wieder im 10-Minuten-Takt, der Berufsverkehr aber hätte weitere Wagen erfordert. Erst für 1954 war ein Neubauzug für die Stadt an der Oder vorgesehen. Und auch diese Lieferung erfolgte nur teilweise, denn der Triebwagen konnte wegen dringender Exportaufträge nicht geliefert werden. Darunter musste man vermutlich verstehen, dass Lieferungen in die Sowjetunion Vorrang hatten. Somit war der 1954 gelieferte Beiwagen 120 das erste echte Neubaufahrzeug seit fast 20 Jahren. 1955 traf auch der ersehnte Triebwagen 38 ein. Eingesetzt wurde der Neubauzug auf der Linie 2 und auch nachdem 1956 zwei weitere Trieb- und sechs Beiwagen vom Typ LOWA nach Frankfurt kamen, wurden diese Fahrzeuge überwiegend auf der Linie 2 eingesetzt, die damals vom Westkreuz (heute Messegelände) zum Schlachthof (heute etwa Hst. Neue Welt) fuhr.

Dem Vernehmen nach war an diesem Wagentyp allerdings das Karosseriegerippe nicht stark genug ausgeführt. Dies und eine Inkompatibilität zu den Gothaer Nachfolgetypen könnten Gründe für die nicht sonderlich lange Einsatzdauer vieler LOWA-Wagen gewesen sein. In Frankfurt wurden zwischen 1970 und 1974 nach nur 15 bis 19 Einsatzjahren alle LOWA-Wagen bis auf Triebwagen 38 ausgemustert. Dieser wurde 1970 zum Einrichtungswagen umgebaut und im Jahr 1973 in Tw 25 umgezeichnet. Mit der Abgabe des Wagens nach Gera im Jahr 1978 endete der Einsatz von LOWA-Wagen in Frankfurt (Oder).

Im Februar 2002 wurde von der Straßenbahn in Naumburg ein LOWA-Einrichtungstriebwagen (Naumburger Tw 28) durch die Museumswerkstatt nach Frankfurt übernommen. Zwar war in der Einrichtungsvariante nur der erwähnte LOWA-Tw 38 und nur von 1970 bis 1978 in Frankfurt im Einsatz, dennoch kann somit wenigstens grob an die Epoche der ersten Nachkriegsneubauwagen der DDR erinnert werden. Das Fahrzeug wurde in den Folgejahren aufgearbeitet und 2008 als historischer Wagen 38 in Betrieb genommen. 2011 übernahm die Museumswerkstatt einen LOWA-Beiwagen aus Brandenburg (Havel). Nach seiner Aufarbeitung soll auch er als historischer Wagen eingesetzt werden.

Die 12 Frankfurter Fahrzeuge des Typs:

Wg-Nr. Typ Baujahr ausgem. Bemerkungen Foto
36 ET54 1956 1972 Foto
37 ET54 1956 1970 Foto
38 ET54 1955 1988 1970 Umbau im | rebuilt at RAW Berlin-Schöneweide zum ER-Tw
1973 in Tw 25 (1978 nach Gera Tw 139)
38 ET54 1955 --- 2002 ex Naumburg Tw 28 (1991 ex Gera Tw 136, 1966 ex Stralsund Tw 13 nach Umbau zum | rebuilding into ER-Tw in Leipzig-Heiterblick)
2008 in Historischer Triebwagen | museum tram 38
Foto
114 EB54 1956 1973
115 EB54 1956 1974
116 EB54 1956 1973
117 EB54 1956 1973
118 EB54 1956 1973
119 EB54 1955 1972
120 EB54 1954 1972 erstes Neubaufahrzeug nach dem Krieg in Frankfurt (Oder)
120 EB54 1954 --- 2011 ex Brandenburg (Havel) Bw 203 (1972 ex Bw 81, 1969 ex Bw 74)
als historisches Fahrzeug vorgesehen | intended museum tram